ruler23Die Erfolgsgeschichte der angewandten Psychologie im 20. Jahrhundert ist in großen Teilen eine Geschichte ihrer Prüfungstechniken. Seit dem Aufkommen der angewandten Psychologie um 1900 werden Intelligenz-, Willens-, Eignungs-, Kompetenz- und Persönlichkeitsprüfungen in beständig wachsender Zahl in Industrieunternehmen, in der Schule, beim Militär, in der Berufsberatung oder in der Psychiatrie eingesetzt. Sie sollen objektive und valide Messungen geistiger Leistungen vornehmen und fungieren daher als Prüfungstechniken.

Gleichwohl ist die Geschichte der psychologischen Prüfungstechniken bislang wenig erforscht. Neben psychologiehistorischen Studien, welche die Professionalisierung und Institutionalisierung der angewandten Psychologie betrachten, stehen wissenschaftstheoretische und -historische Arbeiten, die vor allem mit der Frage beschäftigt sind, ob die Messung geistiger Leistungen möglich ist. Dass Prüfungstechniken – ungeachtet ihrer methodischen Korrektheit – einen beträchtlichen Einfluss auf soziale Strukturen und die Selbstverhältnisse von Individuen haben können, wurde zumeist ausgeblendet.

Diese Wirksamkeit von psychologischen Prüfungsformaten als Sozial- und Subjektivierungstechniken steht im Fokus des geplanten Netzwerks. Die gemeinsame Arbeit soll dabei vor allem auf drei Ebenen ansetzen: der (a) Selektion durch Tests, der (b) Selbstformung, das heißt der Arbeit an sich selbst in Form von Übung und Training sowie (c) dem durch Prüfungsergebnisse provozierten Selbstverständnis der involvierten Individuen.

 

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