Florian Heßdörfer

Florian Heßdörfer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Allgemeine Pädagogik an der Universität Leipzig. Nach dem 1. und 2. Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien (Universität Leipzig) erfolgten verschiedene Lehraufträge in den Fachbereichen Politikwissenschaft, Philosophie und Pädagogik sowie ein Promotionsstudium der Soziologie an den Universitäten Halle-Wittenberg und Freiburg.

Schwerpunkt innerhalb des Netzwerks: Genealogie des begabten Subjekts (1800-1945)

Dass die Menschen nicht allein nach Maßgabe der Natur existieren, sondern ihr Maß  ebenso die Chiffre einer Frage wie der Einsatz eines Kampfes  ist, stellt eine der zentralen Einsichten des 19. Jahrhunderts dar. Während zu Beginn des Jahrhunderts die Romantik der Ahnung vom Maßlosen als dem eigentlichen Wesenselement des Menschen nachspürt, beginnt zugleich eine Entwicklungslinie Fuß zu fassen, die gerade das Messen als einen gänzlich neuen Zugang zur Frage des menschlichen Seins erprobt. Diese Suche nach dem Maß befindet sich dort auf der Höhe ihrer Zeit, wo es weniger um die Ermittlung von definitorischen Grenz- und Richtwerten geht, sondern das Maß sich von der Aktualität des Gegebenen löst und nach dem Spielraum des Potentiellen fragt. Der Begriff der Begabung entsteht im Mittelpunkt dieser Frage und entwickelt die Idee der Potentialität in den Konturen des „beanlagten“ oder „begabten“ Subjekts.

Mit dem Konzept des Dispositivs stellt das Forschungsvorhaben die Erfindung der Begabung in einen weiteren Kontext als in den des Diskurses. Das Dispositiv fasst jenes „heterogene Ensemble“ ins Auge, in dem Diskurse ihre Wirksamkeit entfalten. Sein Konzept verknüpft Institutionen, Gesetze, Gebäude, behördliche Maßnahmen und wissenschaftliche Lehrsätze – es existiert als Verhältnis zwischen disparaten Elementen, als „Netz, das zwischen diesen Elementen geknüpft werden kann“. Für die Rekonstruktion des Dispositivs der Begabung werden folgende Untersuchungsfelder analysiert und zusammengeführt: (A) Ressourcen- und Potentialitätskonzept (B) Mess- und Testverfahren (C) Norm- und Normalitätskonzept (D) Schulorganisation (E) Arbeitsmarkt und Qualifikation. Erst im Netz dieser Elemente erlebt das begabte Subjekt seinen Auftritt – als pädagogisches Problem, als ökonomische Ressource, als Mensch, der sich im Spiegel seiner Möglichkeiten zu erkennen sucht.

Relevante Publikationen

  • Gründe im Sichtbaren. Subjektivierungstheoretische Sondierungen im visuellen Feld. Berlin; Wien: Turia & Kant 2013
  • Das Begehren der Krise. Anmerkungen zur psychosozialen Figur des Verzichts und der politischen Figur des „Exodus“. In: Psychosozial 129, III/2012
  • Die Delegation von Auge und Blick. Interpassivität im visuellen Register. In: Feustel, R.; Koppo, N., Schölzel, H. (Hg.): Wir sind nie aktiv gewesen. Interpassivität zwischen Kunst- und Gesellschaftskritik. Berlin: Kadmos 2011
  • Zur Topologie des Zusammenbruchs. Gründung und Zusammenbruch des Subjekts als verwandte Szenen. In: Hutfless, E., Widholm, A. (Hg.): Zusammenbrüche. Wien: Turia & Kant 2011
  • Die Geisel des Subjekts. Figuren der Subjektphilosophie. In: V. Caysa/ K. Schwarzwald (Hg.): Experimente des Leibes. Berlin; Zürich: LIT 2008

 

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